Klinik für manuelle Therapie Hamm

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Historie

Zur Person Dr. Gottfried Gutmann

Dr. med. Gottfried Gutmann
18.05.1911 - 16.03.1990

Dr. med. Gottfried Gutmann wurde als Sohn eines evangelischen Pfarrers und Missionars am Fuße des Kilimandscharo geboren. Im ersten Weltkrieg musste er mit seinen Eltern Afrika verlassen und kehrte nach Süddeutschland zurück.

Nach Abschluss des Studiums wurde er bei Kriegsausbruch Stabsarzt. Während der Kriegsgefangenschaft in England hatte er ersten Kontakt mit englischen Chiropraktikern, die sein Interesse weckten.

Angeborene Begeisterungsfähigkeit und Neugierde bestimmten seine berufliche Entwicklung. Die von schwedischen, englischen und amerikanischen Chiropraktikern angewandten Behandlungsmethoden wurden von ihm mit großem Erfolg übernommen, konsolidiert und verfeinert.

Mit Kollegen, die von seiner Methode überzeugt waren, baute er die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin auf und gründete zu Ausbildungs- und Forschungszwecken die Klinik für Manuelle Therapie Bad Hamm. Diese leitete er als Chefarzt von 1963 bis zu seinem Ausscheiden 1979.

Als Lehrer und Arzt auf dem Gebiet der Manuellen Medizin erwarb er sich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus internationale Anerkennung. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten beweisen sein großes Engagement und die hohe Qualität seiner ärztlichen Tätigkeit.

 

 

Ein Beitrag des Klinikgründers Dr. med. G. Gutmann zum 25-jährigen Bestehen der Klinik für Manuelle Therapie im Jahre 1988.

Die Klinik für Manuelle Therapie in Hamm – ein Modell. Die Klinik für Manuelle Therapie war, von wenigen Wochen der Anlaufzeit abgesehen, immer voll belegt und dies ohne fragwürdige Kunstgriffe. Im Gegenteil, die Warteliste der eingewiesenen Kranken wurde immer länger bis auf den heutigen Tag. Eine Schließung dieses kleinen Krankenhauses im Zuge der allgemeinen Einsparung überflüssiger Krankenbetten steht somit nicht zur Diskussion.
 So sollte man zweifellos annehmen dürfen, dass dieses unser, im wesentlichen von niedergelassenen praktischen Ärzten konzipierte, geschaffene und jahrelang betreute Haus seine Daseinsberechtigung erweisen, die Hoffnung seiner Gründer erfüllt, die finanzielle Unterstützung durch Stadt und Land gerechtfertigt hätte. Ist dies im Sinne des Gründungs-Konzeptes tatsächlich der Fall?

Die Klinik war als Modell gedacht und als solches vom Lande Nordrhein-Westfalen gebilligt und gefördert worden. Ein Modell ist ein erster und bisher einmaliger Entwurf.

Ein Modell für die Anwendbarkeit der Manuellen Medizin im Krankenhaus sollte dieses Haus sein.

Die Manuelle Medizin – sie war als solche soeben (1962) in Nizza als Begriff international aus der Taufe gehoben – sollte in Diagnostik und Therapie sich auch klinisch bewähren. Als Kriterien der Bewährung galten uns damals wie heute:

  1. Die Effektivität der Manuellen Medizin im Bereich klinischer Krankheitsbilder.
  2. Das Verhältnis zwischen diagnostisch-therapeutischem Effekt und hierzu erforderlichem finanziellen Aufwand.
  3. Prüfung der Manuellen Therapie als einer nicht nur klinisch anwendbaren, sondern auch wissenschaftlich zu vertretenden und auf klinisch-wissenschaftlicher Basis weiter zu entwickelnder ärztlichen Disziplin.
  4. Die Lehrbarkeit der Manuellen Medizin im klinischen Betriebe.
  5. Die Bereicherung der Begutachtung mit Hilfe wesentlich durch die Manuelle Medizin gewonnener Informationen.

Unsere Bewertung aus 17-jährigem persönlichem Engagement und aus 8-jähriger distanzierter Beobachtung:

 

Zu 1.: Die klinische Effektivität:
Eindeutig bewährt hat sich die Manuelle Medizin als zusätzliche, gelegentlich alleinige, aber meist den therapeutischen Erfolg maßgeblich beeinflussende Methode bei der Bechterew’schen Erkrankung, bei Bandscheibenvorfall (mit Reduzierung der Operationsnotwendigkeit und -häufigkeit), bei den im allgemeinen therapeutisch so unbefriedigenden Dauerbeschwerden nach Schädel-Halswirbelsäulen-Trauma, einschließlich des sogenannten Schleudertraumas, in der systematischen pathogenetischen Differenzierung und gezielten Therapie des vertebragenen Kopfschmerzes und Schwindels unter weitgehender Einsparung von Medikamenten, in der Behandlung des chronischen Kreuzschmerzes auch nach Bandscheibenoperationen, bei Arthrosen und schließlich in der äußerst förderlichen Wirkung bei der kombinierten Behandlung reaktiv depressiver und auf das Bewegungssystem projizierter psychischer Versagenszustände.

 

Zu 2.: Der ökonomische Effekt:
Der systematische Einsatz gekonnter manueller und funktions-analytischer Röntgen-Diagnostik, aber auch die manual-medizinisch orientierte Durchleuchtung des Krankheitsbildes ermöglichen – verglichen mit den heute üblichen Maßstäben – einen fast schon unglaublichen Verzicht auf aufwendige Laborleistungen und sonstigen diagnostisch-therapeutisch apparativen Aufwand.

 

Zu 3.: Wissenschaftliche Vertretbarkeit:
Die Manuelle Medizin hat die Prüfung auf ihre wissenschaftliche Vertretbarkeit an diesem Hause so überzeugend bestanden, dass der Verzicht auf ihre Anwendung in vielen klinischen Bereichen heute schon als ein Mangel bezeichnet werden darf.

Zu 4.: Die klinische Lehrbarkeit:
Die klinische Lehrbarkeit hat sich immer wieder bestätigt, allerdings nur dann, wenn die Manu-elle Medizin ein Hauptanliegen des Hauses und ihre Beherrschung eine Voraus-setzung für die Einstellung der leitenden Ärzte bleibt.

 

Zu 5.: Die Manuelle Medizin in der Begutachtung
In diesem immer noch heißen Kampfe zwi-schen anerkanntem medizinischen Wissensstand und manual-medizinisch erschlossenem Zuwachs an diagnostischen Möglichkeiten und wissenschaftlicher Erkenntnis, zwischen gelegentlich nahezu dogmatisch vorgetragener Katheter-Hybris und der mit äußerster Sorgfalt analysierenden Manual-Medizin, zwischen der Vormacht reiner Morpho-logie und klassischer Neurologie einerseits und der manualmedizinischen Funktionalität auf dem Boden neuesten neurophysiologischen Wissensstandes andererseits – in diesem Kampfe mit bisher ungleichen Kräften hat die Manuelle Medi-zin mehr und mehr an Boden gewonnen, nicht zuletzt durch den Rückhalt an dieser Klinik für Manuelle Therapie und der dort geleisteten Arbeit.

Überblicken wir lediglich diese 5 von uns ausgewählten Bewährungs-Kriterien, so können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein, nicht nur, weil wir selbst es so sehen und erfahren haben, sondern weil die über Jahrzehnte unverändert große und weit überregionale Akzeptanz durch Patienten und Ärzte keinen Zweifel daran lässt, und weil schließlich die Versicherungsträger den relativ mäßigen ökonomischen Aufwand begrüßen.

 

Das Modell „Klinik für Manuelle Therapie in Hamm“ hat sich bewährt.

Dr. med. G. Gutmann

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